Nicht lang ist es her, als man in Ketzin ein Forschungsprojekt zur unterirdischen Speicherung von CO2 startete. Betreiber von Kohlekraftwerken, wie z.B. Vattenfall, sind sehr an einer solchen Technologie interessiert. Begriffe wie CO2-Sequestrierung bzw. CCS (Carbon dioxide Capture and Storage) machen in den Medien die Runde. Hierbei soll das Treibhausgas CO2 bei der Verbrennung im Kraftwerk abgefangen werden, um es dann unterirdisch für alle Zeiten zu lagern. Der Gesetzgeber hat schnell gehandelt, ein entsprechendes Gesetz verabschiedet und möchte dies so schnell wie möglich durch die parlametarischen Verfahren bringen. Doch ist CCS umstrittener denn je: Die Energieversorger müssen z.B. nur 30 Jahre für die Sicherheit haften. Danach kann die Verantwortung für die Klimagasspeicher, die als Endlager für mehrere 1.000 Jahre fungieren sollen, auf die Bundesländer übertragen werden.

Die Industrie reagiert ebenfalls zügig. Vattenfall plant, neue CCS-fähige Braunkohlekraftwerk in Brandenburg zu bauen. Was das wiederum heißt, ist klar: Dörfer verschwinden, Landstriche werden verschandelt bzw. ausradiert und es wird weiterhin massig CO2 produziert. Das damalige Volksbegehren “Keine neuen Tagebaue” hat es leider nicht zu einem Volksentscheid geschafft. Die erforderliche 80.000 Stimmen wurden nicht erreicht. Allerdings lag es nicht am fehlenden Klimabewusstsein der Brandenburger. Allein die bürokratischen Hürden waren recht hoch. Einer Umfrage von Greenpeace zufolge hätten ca. 70 Prozent der Brandenburger unter einfacheren Teilnahmebedingungen gegen einen weiteren Abbau von Braunkohle in Brandenburg gestimmt.
Nichtsdestotrotz setzt Brandenburg und vor allem Vattenfall weiter auf Braunkohle und startet weitere CCS-Experimente, wie z.B. im Oderbruch bei Neutrebbin (Märkisch-Oderland). Angeblich erkundet Vattenfall dort nur die unterirdischen, geologischen Gegebenheiten. Doch der vorgestellte Zeitplan lässt vermuten, dass eigentlich mehr geplant ist. Ab 2011 sollen erste “Injektionstests” erfolgen, danach läuft das Genehmigungsverfahren für die CO2-Speicherung. Über dessen Ausgang braucht man angesichts der aktuellen CCS-freundlichen Landesregierung nicht lange orakeln.

Aber es regt sich Widerstand in Brandenburg. Die Brandenburger an sich sind sehr naturverbundene Menschen, schätzen ihre Heimat und betrachten sie als ökologisch wertvoll. Und das wollen sie auch wirtschaftlich verstanden haben. Wenn es sein muss, erhebt man dagegen seine Stimme. Es ist zwar schön, wenn Brandenburg den Bundesländerpreises für Erneuerbare Energien 2008 verliehen bekam. Auch wirkt es motivierend, wenn Herr Platzeck das Land Brandenburg als Motor für erneuerbare Energien bezeichnet und sich zum Ziel setzt, dass in Brandenburg bis 2020 ein Fünftel seines Primärenergieverbrauchs aus Erneuerbaren Energien erzeugen soll. Doch widerspricht sich dies mit dem, was Vattenfall in Brandenburg plant bzw. mit den politischen Entscheidungen.
Es bleibt zu hoffen, dass vielerorts gegen derartige Vorhaben die Stimme erhoben wird. Eigentlich sollte die Zeit der Energieproduktion aus Braunkohle vorbei sein. Dass es nämlich Alternativen mit ausreichend Potential gibt, zeigen Projekte wie das kürzlich eingeweihte Hybridkraftwerk in der Uckermark oder die zahlreichen anderen Windparkanlagen in Brandenburg, wie z.B. die von Greenpeace Energy betriebene Anlage in Ketzin.
Die nächste Landtagswahl kann also kommen und könnte ein politsches Umdenken bringen. Denn die Frage nach der politischen Zukunft der Grünen im brandenburgischen Landtag wird dann hoffentlich positiv ausfallen. Dass dies bisher nicht so war, steht doch eigentlich im Widerspruch zum Handeln und Denken der Einwohner Brandenburgs. Oder?
(Fotos: Indymedia.org, Keine neuen Tagebaue)



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