Die Uckermark ist als Modellregion für eine regionale Gesundheitsversorgung in den neuen Bundesländern ausgewählt worden. Projektträger ist das Bundesministerium für Infrastruktur in Kooperation mit dem Brandenburger Gesundheitsministerium. Ziel ist es, in Regionen mit alternder und abnehmender Bevölkerung neue Kriterien für eine Bedarfsplanung zur medizinischen Versorgung zu erarbeiten, die die spezifischen Probleme einer Region wie Altersdurchschnitt und Krankheitsgrad, Entfernungen und Ärztedichte berücksichtigen. Die Uckermark hat bereits akuten Ärztemangel.
Wie viele Ärzte braucht eine Region? Die Richtlinien, wo wie viele Haus- und Fachärzte arbeiten dürfen und ab wann eine Zulassungssperre verhängt werden darf, stammt aus dem Jahr 1993 und wird ausschließlich an der Bevölkerungszahl bemessen. So drängeln sich in dicht besiedelten Ballungsgebieten Haus- und Fachärzte, während in der Uckermark Patienten bis zu 30 Kilometer zur nächsten Praxis fahren müssen oder durch die Altersstruktur Haus- und Fachärzte wie Orthopäden oder Augenärzte völlig überlasetet seien.
Die Uckermark stehe exemplarisch für ein Problem, was in absehbarer Zeit auch Regionen im Westen Deutschlands ereilen wird.
Schon jetzt gilt die Uckermark im Bundesvergleich als medizinisch unterversorgt, insbesondere der Altkreis Angermünde und Schwedt. Als unterversorgt gilt eine Region mit einem Versorgungsgrad von 75 Prozent. Im Altkreis Angermünde sind es sogar nur 55 Prozent, dass heißt, fast 50 Prozent der zugelassenen Arztstellen fehlen. Dazu kommt ein überdurchschnittlich hoher Anteil der über 60-jährigen Ärzte, die in absehbarer Zeit in den Ruhestand gehen. Das Problem spitzt sich weiter zu. Die ärztliche Versorgung ist oft nur gesichert, weil Ärzte viel mehr arbeiten, als sie bezahlt bekommen. Vor allem die Hausärzte sind völlig überlastet.
Dafür werden in der Modellregion Uckermark erst einmal akribisch und mühsam unzählige Daten gesammelt, von Ärzte- zahlen über Frequentierungen, Patientenwege, Rettungsfristen, Krankheitsschwerpunkte usw. Die Ist-Analyse soll Grundlage für eine neue Bedarfsplanung werden, die sich nicht nur an der Bevölkerungszahl orientiert. In 20 Jahren wird der Anteil der über 60-Jährigen in der Uckermark um 35 Prozent steigen. Was dann an medizinischer Versorgung notwendig sein wird, soll ebenfalls in der Untersuchung berücksichtigt werden, die 2010 beendet werden soll.
Dass ausgerechnet die Uckermark als Modellregion ausgewählt wurde, lag daran, dass der Landkreis bereits unter akutem Ärztemangel leidet und Politik und Verwaltung schon seit Langem Alarm schlagen. Das Modellprojekt ist im Ergebnis eines Forums zum Ärztemangel in Angermünde entstanden. Der Landkreis hatte seine Bereitschaft für eine Mitwirkung erklärt.
Wunder sind jedoch nicht zu erwarten, denn das Projekt selbst bringt keine neuen Ärzte in die Region. Es entwirft neue theoretische Planungsansätze für Politik, Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigung. Das braucht einen langen Atem.
Quelle: MOZ vom 23.06.2009


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