
Nach der Goldenen Palme in Cannes gewann „Das weiße Band“ am Samstag in Essen nun auch noch den Europäischen Filmpreis. Der Kinofilm von Michael Haneke, der im März 2010 als Oscar-Favorit gelten kann, lebt in besonderem Maße von der berückend schönen Kulisse des Prignitzdorfes Netzow, das im Film Eichwalde heißt. Ein Stück Brandenburg prägt durch diesen Film weltweit die Vorstellungskraft, die nötig ist, um zu verstehen, warum vom geistig und kulturell so anmutig gewachsenen Deutschland im 20. Jahrhundert plötzlich derart drastische Grausamkeiten ausgingen.
Sicher, die Geschichte über eine äußerlich intakte Dorfgemeinschaft, die zum Hort für Sadismus und Verbrechen wird, hätte auch in Bayern, Niedersachsen oder Tirol spielen können. Doch am Ende wurde Netzow in der Gemeinde Plattenburg aus 400 Dörfern ausgewählt, weil hier die traditionelle Idylle noch zum Greifen nah und unverbaut schien. Das heißt, 2008 war auf dem Dorfanger gerade die Kanalisation neu verlegt worden. Die Filmarbeiten fanden im Grunde genommen auf einer halbfertigen Straße statt – und zwar auf einer Plane, auf die dann von den Filmleuten die historische Straßenstruktur aufgebracht wurde. Erst nachdem der Film am 15. Oktober in die Kinos kam, wurde die Ortsdurchfahrt von Netzow für die Autofahrer des 21. Jahrhunderts präpariert und mit einer ordentlichen Asphaltdecke versehen.
Der durchschlagende Erfolg des Spielfilms „Das weiße Band“ sorgt dafür, dass die brandenburgischen Straßendörfer von Einheimischen wie von Gästen künftig mit einem historischen Röntgenblick gesehen werden. Denn überall um Berlin herum trifft man auf vergleichbar offene Landschaften zum Ausreiten und auf eine Bausubstanz, die Erinnerungen an die intensiven Filmbilder wachruft. In den Vierseithöfen und Landarbeiterkaten, in den Gutsschlössern und Feldsteinkirchen haben sich solche oder ähnliche Geschichten zugetragen.”
Quelle: märkischeallgemeine.de 14.12.09
Lade...
Trackback URI | Comments RSS
Eine Antwort schreiben