Laut einem Bericht des manager magazins vom 18. Dezember 2009 soll es ab Mitte 2010 einen Feldversuch zum bedingungslosen Grundeinkommen geben. Der Feldversuch soll in zwei Regionen mit unterschiedlicher Wirtschaftskraft durchgeführt werden und die Ergebnisse hinterher diesbezüglich auch verglichen werden. Zur Diskussion stehen eine Gemeinde im Raum Stuttgart (offenbar die Region mit einer höheren Wirtschaftskraft ) und eine Gemeinde in Brandenburg (leider wohl eher eine wirtschaftlich schwache Region).
Mit diesem Feldversuch soll die Theorie des bedingungslosen Grundeinkommens überprüft werden, nach der sich Menschen, welche ein ebensolchen Grundeinkommen erhalten, in ihrem beruflichen Umfeld sinnvoller entfalten können und verstärkt ehrenamtliche Tätigkeiten wahrnehmen. Zielgruppe sind vor allem Menschen für dies es aus verschiedensten Gründen schwierig ist, einen normalen Beruf zu finden. Dazu zählen z.B. Frauen nach der Babypause, Frührentner, Langzeitarbeitslose, Hartz IV-Empfänger und Hochschulabsolventen mit schlechten regionalen Jobperspektiven.
Dieser Feldversuch wird von der Stuttgarter Breuninger-Stiftung durchgeführt und teilfinanziert. Die geschätzten Kosten von ca. 7 Millionen Euro sollen durch die Stiftung und Spendengelder gedeckt werden. Die Teilnehmer erhalten ein Grundgehalt von 800 EUR/Monat netto plus Sozialabgaben.
Für die Gemeinde in Brandenburg können sich durch diesen Feldversuch interessante Perspektiven ergeben. Gerade die periphären Gebiete in Brandenburg sind vom demografischen Wandel negativ betroffen. Sollte der Feldversuch im Sinne der Theorie positiv verlaufen kann das bedingungslose Grundeinkommen den negativen Folgen des demografischen Wandels entgegenwirken. Gleichzeitig ergeben sich doch daraus dann auch eine Menge Fragen. Zu allererst natürlich die der dauerhaften Finanzierung einer solchen Leistung durch die Regionen. Hier ist Kreativität und Mut gefordert.
Als Verein werden wir diesen Feldversuch mit Interesse beobachten und hier regelmäßig berichten.



Ich bin tatsächlich mal gespannt was da raus kommt. Das würde die ganze Arbeitswelt auf dem Kopf stellen und ich glaube keiner könnte bisher sagen wie sich das in einer Region wie die Uckermark auswirken würde, in der 800 Euro plus Sozialversicherung sicherlich schon Nahe am Durchschnittseinkommen liegen.
Super Idee! Warum arbeite ich Idiot dann noch 12 Stunden am Tag?
Wat is´t för´n Land!
Böm an de Kant,
Eeken in d´Heid,
Veh up de Weid.
Schön is un stolt un stark
Uns´leew oll Uckermark.
Öwerall Brot!
Grön steiht de Soot;
Äppel in´n Goor´n,
Dat Feld vull Koorn.
Arbeit für Seiß und Hark,
Keen Not in d´Uckermark.
Dütsch is uns´Oort,
Plattdütsch dat Woort,
Erlich un trü,
So bliewen wi,
Bet wi in unsen Sark
Schlopen in d´Uckermark.
Liebe Leute,
wenn ihr davon ausgeht, dass alle Menschen, außer ihr selbst faul sind klappt es nie mit dem bedingungslosen Grundeinkommen.
Werner Guth
Hallo Werner,
verstehe Deinen Kommentar nicht ganz? Wo kommt hier zum Ausdruck das wir denken andere Leute seien fauler als wir?
viele Grüße
Falko
Lieber Falko!
Du hast mich vollkommen missverstanden. Ich habe unseren ” Helden der Arbeit” (Super Idee! Warum arbeite ich Idiot dann noch 12 Stunden am Tag?) gemeint. So ein bedingungsloses Grundeinkommen wird nur funktionieren wenn wir uns “das Schwarze unter den Nägeln” gönnen und jeder bereit ist für den Anderen da zu sein und Arbeit als Dienstleistung verstehen lernen.
Werner Guth
Achso, verstehe. Hatte den anderen Kommentar aber auch eher scherzhaft verstanden. Der Kommentar 2. ist ja leider eine all zu nahe liegende Reaktion auf solch ein Ansinnen, hat aber damit eigentlich inhaltlich nichts zu tun.
Das Europazentrum Brandenburg-Berlin (EZBB) in Pinnow b. Schwedt steht bereits seit einiger Zeit im Kontakt mit der Breuninger-Stiftung und der Universität Karlsruhe, die diesen Feldversuch wissenschaftlich begleiten soll, um diesen möglichst in die Uckermark zu holen. Auch der Ministerpräsident wurde von uns angeschrieben und um Unterstützung gebeten.
Fern aller Polemik (“TSD Euro ohne Arbeit für jeden – und ich A… geh arbeiten!” o. ä.) ist die mit dem Ansatz des Bedingungslosen Grundeinkommens (BGE) verbundene Trennung von (Erwerbs-)Arbeit und Einkommen auch ein für die Regionalentwicklung interessanter Ansatz, um der Schuldenfalle, die in den nächsten Jahren verschärft zuschnappen wird, zu entkommen.
Ich habe im Januar bereits in einem Jugendseminar mit Auszubildenden aus Schwedt zu diesem Thema gearbeitet und dabei festgestellt, dass die Vorstellung, ein gesichertes bedingunsgloses Einkommen zu erhalten, bei vielen Jugendlichen neue Ideen und Energien freisetzt, darüber nachzudenken, “was könnte ich unternehmen, wenn …”. Und genau in diese Richtung soll es gehen!
Das EZBB will mit seiner mobilen “ÜberLand-Tor 2010″ das Thema “Regionalentwicklung und Bedingungsloses Grundeinkommen” auch in kleinere Orte und Dörfer der Uckermark und der umliegenden Landkreise tragen. Unterstützt werden wir dabei von der Brandenburgischen Landeszentrale für Politische Bildung. Übrigens können sich bereits jetzt Kommunen und Gemeinden der Uckermark oder anderer Landkreise beim EZBB über unsere Website in Pinnow melden, zu denen wir (kostenlos) kommen sollen, um dieses Thema ab April 2010 in einer Abendveranstaltung mit ihren Bürger/Innen zu diskutieren.
Wolfgang Pfeiffer
Studienleiter des EZBB d. europäischen Regionalen Födervereins e. V.
Natürlich muss es in meinem vorherigen Beirtag statt “ÜberLand-Tor 2010″ korrekt “ÜberLand-Tour 2010″ heissen! (Tore schiessen-hoffentlich- 2010 andere!)
Mit dieser Form der mobilen politischen Bildungsarbeit, die für die Kommunen und Besucher/innen kostenlos ist, haben wir 2009 begonnen. Dabei wurde den Besucher/innen der Film “Neuland” gezeigt” und anschliessend mit einem Vertreter des Uckermärker Kreistages diskutiert. Das rbb berichtete in einem längeren Filmbeitrag über diese neue Form der politischen Bildung.
In 8 kleinen Orten nutzten zwischen 5 (!) und 60 Bürger/Innen diese neue Möglichkeit der mobilen politischen Bildung, die 2009 von der Bundeszentrale für politische Bildung unterstützt wurde.
2010 wollen wir zum Thema “Bedingungsloses Grundeinkommen” mit einem Referenten und interessantem Medienmaterial zunächst 5 und bei Bedarf auch mehr Orte in Brandenburg besuchen.
Interessenten dafür bitte über unsre Website melden! Wir benötigen nur einen geeigneten Ort und ein paar interessierte TN. Ausserdem sollten im Vorfled vor Ort ein paar Flyer verteilt und ein paar Plakate zur Werbung ausgehängt werden. Flyer und Plakate werden von uns ebenfalls dank der Unterstützung der BLbpb kostenlos zur Verfügung gestellt!
Vielen Dank für die Informationen. Schön, daß das Projekt immer konkreter zu werden scheint. Wir werden uns das auf jeden Fall anschauen und sehen, wie wir das unterstützen können.
Mich würde ja nun auch mal interessieren, welche Region in Brandenburg an dem Modellprojekt der Stuttgarter Breuniger Stiftung teilnehmen wird. Weiß jemand dazu mehr?
Die Breuninger (nicht: Breuniger) Stiftung hat m. W. noch nicht entschieden, in welche Region sie geht. Sie bastelt nämlich noch an der Finanzierung, ich denke, wenn die klar ist, wird auch der genauere Standort festgelegt.
Gerade weil die Entscheidung noch nicht gefallen ist, sollten alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, das Projekt nach Brandenburg (resp. Uckermark) zu holen!
Laut Aussage unseres derzeitigen Bürgermeisters ist Lychen eine der ärmsten Gemeinden in der Uckermark… keine Industrie, nur Landwirtschaft und einige engagierte Versuche Tourismus zu etablieren. Mein Mann und ich betreiben seit 2006 einen kleinen Dorfgasthof im OT Rutenberg, sind aber nachwievor auf Hartz-IV angewiesen, da nur in der “Saison” (Juni-September) ein echter Umsatz zu erzielen ist. Ein bedingungsloses Bürgergeld wird schon seit Jahren bei uns im Ort diskutiert und angestrebt. So hätte jeder …( Landwirte in der mageren Zeit, Gastronomie außerhalb der Saison, Arbeitlose die unter diesem Zustand leiden und gern wieder – wenn auch nur teilzeit oder befristet – ihre Arbeitskraft einbringen möchten) … eine wirtschaftliche Überlebensgrundlage. Gerade wo bei uns Nachbarschaftshilfe groß geschrieben wird, könnte man so aktiv werden, ohne sich dem Vorwurf der “Schwarzarbeit” aussetzen zu müssen.
Dieses Bürgergeld wird mit Sicherheit (weil schon Pläne bestehen!!) eine Basis für konstruktive, für den Standort und die Region förderliche Maßnahmen sein, die mit persönlichem Einsatz und wenig Finanzbedarf umzusetzen sind. Ideen und Bereitschaft mit anzupacken sind in großem Maße vorhanden, werden durch die per Hartz-IV geschaffenen Restriktionen aber verhindert, lahmgelegt.
Gerne stellen wir unseren Saal für eine Veranstaltung zur Verfügung. Bitte kontaktieren Sie uns – wir erwarten Sie ungeduldig.
Mit freundlichen Grüßen
Marion
@Marion: Ich habe die Anfrage direkt an Herrn Pfeiffer weitergeleitet. Hilfreich wäre eine Kontaktemail. Schicken Sie die doch bitte an unsere email Adresse: schreiban(at)zuhause-in-brandenburg.de.
Hier noch mal ein Link zum besseren Verständnis des Grundeinkommens nach Götz Werner (Gründer dm-Drogerie), im Ciecero: http://www.cicero.de/97.php?ress_id=4&item=4787
… und hier noch mal einen Link zu einem Feldversuch in Namibia
http://www.brandeins.de/archiv/magazin/gibs-mir-konkurrieren-aber-richtig/artikel/als-das-geld-vom-himmel-fiel.html
[...] Vor gut einem Jahr haben wir auf diesem Blog bereits eine Diskussion zum bedingungslosen Grundeinkom… [...]