Nach der erfolgreichen Bürgerinitiative “Ich wähle meinen Landrat selbst”, haben am 28.Februar die Uckermärker die Möglichkeit ihren Landrat direkt zu wählen. Vier Kandidaten stellen sich der Direktwahl, der parteilose Amtsinhaber Klemens Schmitz, die Kandidatin der CDU Karina Doerk, der ehemalige Landesminister und Landrat Roland Resch und Frank Bretsch als Kandidat der SPD. Damit die Landratswahl erfolgreich sein kann, muss ein Kandidat mindestens 15 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinigen. Gelingt dies nicht, so wird der Landrat doch wieder durch den Kreistag bestimmt. Daher ist es um so wichtiger, das ein aktiver Wahlkampf geführt, in dem die Wähler möglichst viel über die Kandidaten erfahren. Wir haben Frank Bretsch zu seiner Kandidatur befragt.

Herr Bretsch, was sind ihre persönlichen Motive für das Landratsamt zu kandidieren?
Meine Motivation hat ihren hauptsächlichen Ursprung in meiner nunmehr gut 16-jährigen Arbeit im Kreistag Uckermark sowie in meinem Entwicklungsweg als Abgeordneter. Die Erfahrungen aus diesen Tätigkeiten bedeuten für mich vor allem Einsicht gewonnen zu haben in Prozesse, die für eine gute Entwicklung einer Region unerlässlich sind. Die seit längerem, in den vergangenen ca. 1 ½ Jahren jedoch verstärkt zu beobachtende Entwicklung im Kreistag, die in einen deutlichen Qualitätsverlust der Kommunikation zwischen den Akteuren, insbesondere dem Landrat und den Fraktionen, aber auch zwischen der Verwaltungsspitze und den ehrenamtlich in der Uckermark Tätigen mündete und zu Vorlagen führte, die bei den Abgeordneten mehr Fragen aufwarf als Antworten gab, hat mich neben anderem motiviert, für das Landratsamt zu kandidieren. Ich bin der Überzeugung, dass ein besseres Verständnis von Verantwortungswahrnahme für den Landkreis und seine Menschen notwendig ist, welches durch eine faire Kommunikationsstruktur gekennzeichnet ist.
Was bringen sie in das Amt ein? Was wäre ihre persönliche Note?
Ich bringe vor allem die Fähigkeit, Menschen zusammenzuführen, sie in Diskussions- und Entscheidungsprozesse einzubeziehen in das Amt ein. Dazu kommt die in den Jahren als Schulleiter und Abgeordneter entwickelte Fähigkeit, sehr strukturiert, zielorientiert und mit hohem persönlichen Einsatz an Problemlösungen zu arbeiten und dabei stets Kritik von außen als hilfreiches Element zuzulassen. Meine persönliche Note sehe ich dabei in der Fähigkeit, Probleme offen anzugehen und mich dabei dem Ratschlag von im betroffenen Sachverhalt erfahrenen Menschen nicht zu verschließen sowie in meiner sehr ausgeprägten Sozialkompetenz.
Neben den Verwaltungsaufgaben die auf sie als Landrat zukommen, worin sehen sie den Gestaltungsspielraum in diesem Amt und wie wollen sie ihn nutzen?
Der Gestaltungsspielraum eines Landrates ist sehr eng mit seinem Verständnis von seiner Rolle für den Landkreis und seine Menschen bestimmt. Das bedeutet vor allem, dass es des gemeinsamen Handelns von Kreistag und Verwaltung bedarf, um die vorhandenen Gestaltungsmöglichkeiten z. B. bei der Förderung von Jugendarbeit, Kultur, ehrenamtlicher Arbeit sowie ganz besonders im Bereich des Grundsicherungsamtes (welches der Kreis als Optionskommune in besonderer Weise selbst verantwortet) zu nutzen, um nur einige zu nennen. Hier wird es darauf ankommen, bisherige Verfahrensweisen und Grundsätze einer kritischen Prüfung zu unterziehen und sie ggf. neu zu regeln. Weitere Gestaltungsmöglichkeiten ergeben sich aus der meiner Meinung nach klaren Verpflichtung für den Landrat, den Kreis und seine Menschen mit deutlichen Forderungen gegenüber dem Land zu vertreten und auf dieser Ebene deutlich zu machen, in welchen Bereichen es besondere Belastungen – hier sei als Beispiel das Netz der Kreisstraßen genannt – aber auch besondere Bedarfe gibt, beispielsweise bei der Verbesserung der ärztlichen Versorgung, dem Erhalt von Schulstandorten, im Bereich der Jugendförderung oder bei der Betreuung älterer Menschen. Die erkannten Veränderungsbedarfe durchzusetzen wird vor allem dann gelingen, wenn die Kreistagsabgeordneten entsprechend intensiv und ohne Informationsdefizite über Vorlagen entscheiden und ihren Sachverstand einbringen können.
Wie gehen sie als Landrat mit der demografischen Entwicklung in unserer Region um, insbesondere mit der anhaltend starken Abwanderung?
Diese Frage steht für die Uckermark seit längerem und bewegt nicht nur die Verantwortungsträger in der Kreisverwaltung bzw. im Kreistag. Unternehmen und Schulen haben seit Jahren den entsprechenden Handlungsbedarf ausgemacht und gehandelt. Die Ehm-Welk-Oberschule hat seit 1998 unter meiner Leitung das Praxislernen eingeführt, heute ist es landesweit als eine Möglichkeit anerkannt, jungen Menschen in ihrem heimatlichen Umfeld Lern- und Arbeitsmöglichkeiten zu erschließen, so dass sie in ihrer Heimat eigene Lebensperspektiven entwickeln können. Mir geht es insbesondere darum, die gemeinsame Verantwortung von Verwaltung, Politik und Wirtschaft in diesem Handlungsfeld zu betonen und durch die Kreisverwaltung die Plattformen zu schaffen, die einen ergebnisorientierten Dialog aller Beteiligter ermöglicht und zu regionalspezifischen Lösungen führt, und zwar sowohl für die junge Generation, die sich gerade auf den Weg ins Arbeitsleben macht wie auch für Menschen, die in einer unverschuldeten Langzeitarbeitslosigkeit gefangen sind sowie für die älteren Menschen in unserem Landkreis.
Was sind ihre Ziele als Landrat? Was wollen sie verändern? Was wollen sie beibehalten?
Meine Ziele als Landrat lassen sich unter anderem wie folgt benennen: Es geht mir um den Erhalt des Landkreises als eigenständigen Landkreis, die Weiterentwicklung der wirtschaftlichen und infrastrukturellen Möglichkeiten der Uckermark besonders durch Förderung von klein- und mittelständischen Unternehmen sowie der ansässigen Industrie, den Erhalt aller Krankenhausstandorte in der Uckermark, die Aufrechterhaltung eines stabilen Rettungswesens, die Betreuung des künstlerischen Nachwuchses durch die Musikschulen, eine sinnvolle und auf die örtlichen Gegebenheiten und die Bedürfnisse der Menschen zugeschnittene Energiepolitik mit dem Schwerpunkt auf erneuerbare Energien, die Aufwertung der Landwirtschaft sowie den Erhalt der uckermärkischen Naturlandschaft im Kontext mit der touristischen Entwicklung.
Ganz besonders geht es mir um das Erreichen eines ausgeglichenen Haushaltes des Landkreises, wozu auch über die weitere wirtschaftliche Betätigung des Kreises (wie beispielsweise mit der Uckermärkischen Dienstleistungsgesellschaft) gesprochen und entschieden werden muss.
Beibehalten möchte ich die verschiedenen Formen der Förderung von Einrichtungen, die für unsere Lebensqualität in der Uckermark unerlässlich sind. Dies betrifft selbstverständlich die Förderung der Uckermärkischen Bühnen in Schwedt/Oder bzw. der Uckermärkischen Kulturagentur mit dem Preußischen Kammerorchester in Prenzlau. Darüber hinaus aber weitere Bereiche, wie z. B. die Denkmalförderung, die Unterstützung und Begleitung sozialer Projekte, die Entwicklung der Krankenhäuser in der Uckermark zu stabilen und spezialisierten Dienstleistern und andere. Mir liegt die Wirtschaftsförderung durch Nutzung der Potentiale der Investor Center Uckermark GmbH sehr am Herzen.
Verändernd handeln möchte ich – neben der bereits erwähnten Diskussions- und Entscheidungsstruktur – unter anderem in folgenden Bereichen: in der Struktur des Grundsicherungsamtes, noch mehr hin zu einem echten Dienstleister für die von Hartz IV Betroffenen; in der Frage der Befahrbarkeit der Uckerseen; in der Kulturförderung (in der wir zu einer Neuregelung im Zusammenwirken mit den Gemeinden kommen müssen), in der Zusammenarbeit mit den Unternehmen unserer Region.
Ganz besonders bewegt mich die Frage der Elternbeteiligung an den Schülerfahrtkosten. In den vergangenen Jahren wurden auf Grund der zurückgehenden Schülerzahlen Schulen geschlossen. Jetzt muss gelten: Erhalt der kleinen Grundschulen nach dem Motto „Kurze Wege für kleine Füße“ und Erhalt sowie weitere qualitative Verbesserung der weiterführenden Schulen. Die Elternbeteiligung an den Schülerfahrtkosten halte ich für mittlerweile überholt, gerade weil sich die Schulwege in letzter Zeit für unsere Fahrschüler enorm verlängert haben. Und wer bereits viel Lebenszeit für seinen Schulweg einsetzen muss, der hat es aus meiner Sicht verdient, nicht auch noch geldlich belastet zu werden.
Wie wollen sie diese Ziele umsetzen?
In erster Linie in gemeinsamer Arbeit mit all jenen, denen die Uckermark am Herzen liegt. Das sind natürlich jene, die dies öffentlich dokumentieren, also Kreistags-, Landtags- und Bundestagsabgeordnete. Ihre Arbeit zu wertzuschätzen bedeutet auch, sie regelmäßig in Diskussionen um die weitere Entwicklung der Uckermark einzubeziehen, nicht zuletzt deshalb, weil sie dann in den Gesetzgebungsverfahren rechtzeitig auf die Auswirkungen auf den Landkreis aufmerksam und ihren Einfluss zu Gunsten der Uckermark geltend machen können. Darüber hinaus ist es mir wichtig, in gemeinsamer Arbeit mit allen, die in ehrenamtlicher Arbeit – meist im Hintergrund – das gesellschaftliche Leben in der Uckermark mitgestalten, eine Verbesserung der Lebensqualität in unserem Landkreis zu erreichen. Dazu zählen (ohne dass die Reihenfolge eine Wertung darstellt) die Feuerwehrleute, die Mitglieder der unzähligen Vereine, die Abgeordneten der Städte und Dörfer. Eines meiner größten Vorhaben wird sicherlich die Einbeziehung der Bürgermeister und Amtsdirektoren, und zwar auf Augenhöhe, denn von kommunaler Familie nur zu reden, bringt keine Entwicklung voran. Hier gilt es, entsprechend zu handeln.
Wie sehen Ihre Visionen für die Uckermark aus? Wie bzw. wo sehen Sie den Landkreis in 20 Jahren?
Ich möchte die Uckermark in naher Zukunft als eine Region wahrgenommen wissen, die nicht mehr in den verschiedensten statistischen Erhebungen einen der letzten Plätze belegt, die als Landschaft lebens- und liebenswert erhalten ist, die ihre wirtschaftlichen Potentiale und die Fähigkeiten ihrer Menschen gut und verantwortungsvoll nutzt, die den sich Engagierenden eine hohe Wertschätzung entgegenbringt und die sich ihr soziales Gewissen erhält, damit es bei aller Unterschiedlichkeit der Menschen zu vielen Gemeinsamkeiten im Zusammenleben reicht und hier gern gelebt wird.
Wir bedanken uns für das Interview und wünschen ihnen einen erfolgreiche Wahlkampf.
Hier gibt es noch mehr Informationen zu Frank Bretsch
Mehr Informationen zur Landratswahl in der Uckermark:
Die Selbstständigkeit der Uckermark erhalten – Klemens Schmitz im Interview
Roland Resch im Interview – Wir brauchen eine Modellregion Uckermark
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Meine Fragen an den Landratskandidaten Frank Bretsch
1. Welche Konsequenzen ziehen Sie aus der Tatsache, dass die strategische Lage der Uckermark durch die Nähe zu Polen gekennzeichnet ist? Haben Sie konkrete Ideen zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit mit der Nachbar-Wojwodschaft? Haben Sie Ideen zur nachhaltigen Integration der polnischen Neubürger/innen im Übergangsbereich zu MVP?
2. Welche Ideen haben Sie bzw. werden Sie unterstützen, um regionale Kreisläufe z. B. in der dezentralen Energiegewinnung und Wertschöpfung zu unterstützen? Halten Sie z. B. das Regiogeld „Oderblüte“ in der Uckermark für ausbaufähig?
3. Welche Ideen haben Sie, um der in der Uckermark wieder zunehmenden Bereitschaft zum direkten Bürgerengagement (Bürgerinitiativen z. B. zur Direktwahl des Landrates, BI gegen die 380-KV-Leitung, BI gegen die Massentierhaltungen in Schmargendorf und Hassleben, BI gegen das geplante Atomkraftwerk etc.) in der Kreispolitik mehr Gehör zu verschaffen? Können Sie sich die Einrichtung eines „Zukunftsrates Uckermark“ vorstellen?
4. Können Sie sich vorstellen, in der Uckermark innovative Projekte zu entwickeln oder zu unterstützen, die regionale Alternativen zu Hartz IV darstellen (z. B. Modellversuch zum „Bedingungsloses Grundeinkommen“ bzw. Bürgergeld)?
5. Wie gedenken Sie als Landrat der Forderung Nachdruck zu verleihen, eine 100%ige Versorgung der Uckermark mit einem Breitbandnetz baldmöglichst sicherzustellen? Wie stehen Sie zum e-Government?
6. Sehen Sie für die Uckermark in dem Scheitern der traditionellen wirtschaftlichen Wachstumsvorstellungen („Mehr Wachstum schafft mehr Arbeitsplätze“) eher eine Chance oder eher eine Belastung?
7. Können Sie für die Uckermark den Satz unterschreiben: “Die Kreise mit dem stärksten Frauenmangel weisen den höchsten Anteil rechtsradikaler Wähler auf!“
8. Können Sie auch lachen? Und wenn ja, worüber?
Wolfgang Pfeiffer
Bruchhagen
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