Zur Bürgermeisterstichwahlen am kommenden Sonntag sind der seit 20 Jahren amtierende Amtsinhaber Ulrich Schöneich und der Herausforderer der LINKEN Detlef Tabbert zugelassen. Beide haben sich bei den “Vorwahlen” gegenüber sechs Mitbewerbern durchsetzen können.
Auf kommunaler Ebene sind inhaltliche Wahlkämpfe eher schwer zu führen, da die Gestaltungsmöglichkeiten eingeschränkter sind. Daher dreht sich die öffentliche Diskussion vor dem entscheidenden Wahlsonntag in erster Linie um die Qualitäten des jeweiligen Favoriten bzw. um die Defizite des Kontrahenten.
Fasst man die Argumente zusammen, spricht für den Amtsinhaber Ulrich Schöneich seine langjährige Erfahrung und der Umstand, dass sich Templin in den letzten Jahren gut entwickelt hat. Gegen ihn sprechen im Prinzip die gleichen Argumente nach zwanzig Jahren! wird es endlich Zeit für frischen Wind und in Templin wurde zu wenig getan (z.b. bei der Wirtschaftsförderung). Darüber hinaus werfen ihm viele Templiner mangelnde kommunikative und integrative Kompetenzen vor.
Für den Herausforderer Detlef Tabbert spricht, dass er frischen Wind ins Amt bringen würde und seine ausgesprochenen wirtschaftlichen Kompetenzen. Gegen ihn spricht, dass er bis dahin nicht politisch aktiv war und erst mit seiner Kandidatur in die Partei eingetreten ist. Viele Templiner haben auch Vorbehalte wegen seiner Zeit an der Staatsakademie in Potsdam und seinen Funktionen bei der SED und FDJ.
Die Diskussion und das öffentliche Interesse an der Wahl ist als erfreulich einzuschätzen, bringt bis dahin aber nichts Spektakuläres hervor. Bis sich nun der Fraktionsvorsitzende der LINKEN in der Stadtverordnetenversammlung Thomas Freese zu Wort meldet. Er wirft dem Kandidaten seiner eigenen Partei Karrierismus und fehlende Glaubwürdigkeit vor. Detlef Tabbert wollte lediglich das Wählerpotential der LINKEN, das in Templin immerhin bei 30 Prozent liegt, ausnutzen. Genauso ansatzlos wie er zu Wendezeiten aus der SED ausgetreten ist, sei er nun für seine Bürgermeisterkandidatur Ende 2009 in die LINKE eingetreten. Der Wähler hat sich blenden lassen und der Coup von Tabbert ist bis dahin aufgegangen.
Bei der Vorwahl haben sich achtzig Prozent der Wähler gegen den Amtsinhaber ausgesprochen. Die Chancen, dass Detlef Tabbert das Rennen macht stehen gut. Damit hätten wir dann in Templin einen Bürgermeister, der in der Stadtverordnetenversammlung vom Fraktionsvorsitzenden der eigenen Partei geschasst wird.
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[...] Linker Fraktionsvorsitzender entzieht eigenem Kandidaten das Vertrauen [...]