Wie zufrieden sind junge Menschen in den brandenburger Mittelzentren? Eine aktuelle Studie zeigt, sie sind zwar heimatverbunden und haben bessere Chancen auf dem Arbeitsmark als noch vor einigen Jahren – ziehen aber trotzdem weg.
Von Politik und Wirtschaft wird im Moment viel Optimusmus verbreitet, dass junge Menschen in der Zukunft nicht mehr abwandern werden, da bereits jetzt händeringend Fachkräfte auf dem heimischen Arbeitsmark gesucht würden.
Die jungen Menschen hingegen sehen das nicht so. Offensichtlich sind die Berufschancen immer noch nicht ausreichend oder eben nicht alles im Leben. Denn die Zahlen sind weiterhin dramatisch. Zahlreiche junge Menschen, besonders die besser gebildeten zieht es fort aus Brandenburg – vor allem in den Westen und nach Berlin. Das geht aus einer vom Infrastruktruministerium und der Landesplanungesbehörde in Auftrag gegebenen Studie hervor.
Insgesamt 2000 Schüler und Absolventen im Altern von 16 bis 30 Jahren hat das Berliner Institut für Stadtplanung und Infrastruktur (IfS) in den Städten Beeskow, Belzig, Eberswalde, Falkensse, Finsterwalde und Oranienburg zur Lebenszufriedenheit und Bindungskraft in den Mittelzentren befragt. Bemerkbar macht sich der fortzug vor allem in den berlinfernen Regionen wie der Lausitz, der Uckermark oder der Prignitz. In den Landkreisen rund um Berlin fällt der Verlust an 18 bis 30 -Jährigen weitaus geringer aus. An der Infrastruktur und an den inzwischen vielfach hergerichteten Städten liegt es jedenfalls nicht.
Allein in den Jahren 2003-2008 ergibt die Bilanz der Fort- und Zuzüge in dieser Altersgruppe ein jährliches Minus von 11 000. Die Studie bestätigt, dass viele Jugendliche sehr heimatverbunden sind, aber langfristig keine Perspektive für sich in der Region sehen. Auch die zu niedrigen Löhne werden angeführt. Das gilt besonders für Abiturienten, nur rund ein Viertel von ihnen sind sogenannte “Dableiber”.
Gerade junge Frauen kehren nach der Ausbildung oder dem Studium seltener zurück als Männer. Die jungen Frauen sind qualitätsorientierter, sie streben stärker nach Aufstieg und wollen Perspektiven sehen. Nach Auskunft der Autoren der Studie, finden sie in den Betrieben und Hochschulen jedoch nicht das was sie suchen – gemeint sind Geisteswissenschaften, Jobs in Tourismus und anderen Dienstleistungen. Vielfach sind die Angebote wie in Eberswalde, Wildau oder in Cottbus zu sehr an technischen Berufen orientiert.
Problematisch sei vor allem die fehlend Zu- un Rückwanderung. Laut der Autoren muss in Brandenburg bis zum Jahr 2015 jeder vierte Beschäftigte aus Altersgründen ersetzt werden. Es würden Fachkräfte gebraucht, gerade in den für die Versorgung wichtigen Mittelzentren. Durch den Generationswechsel und die starke Überalterung seien Einzelhandel und Handwerk gefährdet, auch Ärzte und Lehrer würden gebraucht. Dazu müssen Land und Kommunen kreativ sein und innovative Lösungen finden.
Aus der Studie geht auch hervor, dass die Jugendlichen sich nicht ausreichend berücksichtigt finden, es werde alles für die Alten und für Touristen getan, so dass empfinden. Damit wird für die Städte der demografische Wandel zum Problem, wenn nämlich Kommunalpolitik sich vorrangig an der älteren Bevölkerungsmehrheit ausrichtet. Dabei geht es nicht um den Jugendclub, der fehlt. Jugendliche wollen selbst etwas bewegen, Verantwortung übernehmen und merken, dass sie wichtig sind. Zudem geht es um die Akzeptanz jugendlicher Lebensformen, es fehlen Nischen.
Diese Studie bestätigt unsere These, dass Abwanderung sowie Zu- und Rückwanderung nicht allein über den Arbeitsmarkt gesteuert wird. Die Problematik hat unterschiedliche Facetten. Es ist wichtig hinzusehen, welche Motivationen junge Menschen tatsächlich haben, eine Region zuverlassen oder wieder in ihre Heimatregion zurückzukehren. Hier setzt das Projekt des Vereins Zuhause in Brandenburg “Wandern und Rückkehren in der Uckermark” an. Mehr Informationen dazu unter dem Tag “Wandern und Rückkehren”.
Quelle: Nordkurier 08. April 2010



Wir brauchen eine breit gefächerte, dezentrale Hochschulbildung die über Live-Streams und Podcasts organisiert ist um den Bildungstourismus in die Großstädte einzudämmen.
Mehr und bessere Bildungsmöglichkeiten ist wichtig und ein richtiger Ansatz. Aber Bildung lässt sich nicht komplett übers Internet regeln. Das heißt man benötigt Bildungseinrichtungen. Ja und Bildungstourismus ist es ja leider nicht, denn die meisten bleiben für immer fort.
dafür müßte es in der Uckermark erstmal Internet mit mehr als BTX-Geschwindigkeit geben…
Wie René schon zum Beitrag des Breitbandausbaus in Brandenburg meinte, Breitband ist nicht gleich Breitband…
Wenn man über Internet Gehirnchirurgie betreiben kann und wissenschaftliche Beiräte in Japan direkte techn. Einflussmöglichkeiten in Cern haben, kann man in der Uckermark und anderen ländlichen Landkreisen Brandenburgs auch eine breiter gefächerte Hochschulpolitik installieren. Das zu etwaigen Praktika oder Prüfungen noch die Zugbank gedrückt werden muss, soll ja nicht ausbleiben.
Ein kooperative Organisation mit Hochschulen und Kreisen zum Berispiel, würde wenig Ressourcen verbrauchen. Im Gegenteil, es würde vorhanden Ressourcen angemessen auslasten!
Ein Audio-/Videostream der gebeamt werden kann, braucht 4 MB in der Minute. Jeder der schon einmal AntiVir Personal – Free Antivirus (Regenschirm) in der Größe von derzeit 40.4 MB runter geladen hat, kann ungefähr einschätzen was das bedeutet. Die Strukturen sind da. Der Wille nicht.
Also sorry… 4 MByte in der Minute sind etwas ganz anderes als Breitband. Ich muss meinen Vorrednern hier zustimmen. UMTS ist zwar ein Anfang. Aber eher für den low level Hausgebrauch. Damit kann man kein Business betreiben. Durchsatz ist die eine Sache, Latenz und Antwortzeiten die andere. Jedes Business, welches mehr als nur Text im Internet verschicken möchte brauchte deutlich dickere Leitungen. Hier hinkt Deutschland leider noch sehr weit hinterher. Nicht einmal in Großstädten wie Berlin kann man von flächendeckendem Breitband-Ausbau sprechen. In vielen Stadtbezirken sind selbst 6 MBit/s DSL Luxus. In Amsterdam sind viele Haushalte schon mit 1 GBit/s angebunden…
Das der Wille nicht da ist, würde ich so nicht unterschreiben wollen. Beim wem ist der Wille nicht da? Und der Wille wozu?
Der Wille von lokalen Leuten/Unternehmen das Internet als neue Business-Quelle zu nutzen? Das wird wohl kaum machbar sein. Ohne ordentlichen Zugang zum Internet kann schlecht wissen welche Möglichkeiten sich da erschließen.
Der Wille von Leuten/Unternehmen in die Region Uckermark zu ziehen und dort etwas internetbasiertes aufzuziehen? Ich glaube der ist im Keim da, aber die Struktur gibt das einfach noch nicht her. Und hier beißt sich wahrscheinlich die Katze in den Schwanz. Die Telco-Industrie sagt: “Der Ausbau lohnt sich nicht, da dort keine Kunden mit entsprechenden Bedürfnissen sind.” Die Unternehmen sagen: “Wir können uns dort nicht ansiedeln, da die Infrastruktur (speziell Internet) nicht vorhanden ist.”.
Also entweder ein Unternehmen bringt seine Leitungen mit, oder die Region kann bis zum Sanktnimmerleinstag warten, daß in dieser Richtung etwas passiert.
Oder… jemand hat eine so geniale Geschäftsidee die sich sogar mit der Netzgeschwindigkeit einer nassen Wäscheleine realisieren läßt. IP-over-Brieftaube ist auch wieder im kommen.
Es geht hier um Abwanderung trotz “guter Berufschancen” nicht um Internet. Ich meinte: Berufschancen reichen nicht aus, sondern wir brauchen auch mehr Bildungsmöglichkeiten. Für deine Diskussion kann Ariane bestimmt nen Breitband-Artikel posten. Auch wichtig und interessant und diskussionswürdig!
Naja, das gehört ja zusammen, wenn man Bildungschancen über das Internet für die Uckermark in Betracht zieht.
Ich finde auch, dass man im Bereich der Bildung die Möglichkeiten des Iternets mehr nutzen sollte. Allerdings gehört dazu eine realistische Einschätzung der Möglichkeiten des Internets, sowohl die technischen Möglichkeiten und darüber hinaus. Und mal ehrlich, wenn ich die Wahl hätte als Schulabgänger zwischen einem quasi Fernstudium hier in der Region oder einer renomierten echten Universität, ich würde immer wieder an die echte Uni gehen.
Ja, weil zur Bildung auch die entsprechende Landschaft gehört: Studentenclubs, Biblos, Mensen, etc.
Medizinische und kulturwissenschaftliche Studien würde ich auch ausschließen.
Aber Informatik, BWL und einige theorielastige Naturwissenschaften (Elektrotechnik, Chemie) sind hier schon realisierbar (unter Einbindung von Industrie (PCK, ENERTRAG)) und die entsprechende Landschaft wird dann eh von den Studenten über Organisationen wie Asta geschaffen.
Mit einer solchen Strategie verstärkt man die Verhältnismäßig starke Abwanderung von jungen Frauen aus der Region, für die diese Angebote wenig attraktiv sind. Das wiederum hat eine Reihe von soziologischen Konsequenzen.
Mich würde mal interessieren wie viele weibliche FDP Mitglieder die Uckermark hat. Aber das ist in der Tat auch schon wieder ein anderer Diskussionsstrang.
Frauen? FDP? Warum streust du noch Salz in die eh schon gepöckelte Wunde!? Pädagogik und Soziologie und Psychologie muss natürlich auch hier her! Schon allein weil die FDP mehr Frauen braucht!
da gehe ich mit! Mehr Frauen brauchen auch die anderen Parteien und vor allem die kommunalen Parlamente.
[...] Blog von Ariane gibts einen schönen Artikel zur Ab- und Rückwanderung von jungen Leuten aus den entlegenen Gebieten in Brandenburg, ihren [...]