Am Freitag dem 3. März habe ich anlässlich der Auftaktveranstaltung zur 22. Frauenwoche des Landkreises Havelland einen kurzen Vortrag gehalten. Thema der Auftaktveranstaltung war “Demografischer Wandel und Abwanderung” mit dem Schwerpunkt wie man speziell Frauen dazu bewegen kann, nach der Abwanderung wieder in die Heimatregion zurückzukehren. Inhalt meines Vortrags war eine kurze Vorstellung unseres Vereins und seiner Aktivitäten mit speziellem Fokus auf das Thema Regionalmarketing in der Zielgruppe potentieller Rückwanderinnen.
Tagungsort war das Schloss Ribbeck im Havelland und Veranstalter die Gleichstellungsbeauftragte des Havellandes Frau Stephanie Reisinger. Sehr schön gelegen und genau die richtige Größe für diese Veranstaltung. Vor Ort waren ca. 60 – 80 Teilnehmer welche sich nach einer szenischen Lesung über drei sogenannte Impulsreferate und eine anschließende Podiumsdiskussion freuen konnten.

Ich persönlich fand die szenische Lesung “Weit über Land” von Anja Manz und Ingrid Kaech (zwei Autorinnen aus Potsdam) sehr gelungen. In verschiedenen kurzen Stücken stellten sie Dialoge und Gedanken von Frauen dar, welche abwandern wollen oder schon abgewandert sind. In vielen Szenen erkannte man Gesprächsfragmente/Gedanken die man selbst schon so erlebt oder irgendwo gehört hatte.
Das erste Impulsreferat hielt Dr. Steffen Kröhnert vom Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung und machte mit Zahlen und Diagrammen deutlich, welche dramatischen Ausmaße die Abwanderung von Frauen aus den neuen Bundesländern schon angenommen hat. Seine Ausführungen untermauerten sehr schön meinen anschliessenden Vortrag in dem ich auf unsere Erfahrungen im Bezug auf Rückkehrerinnen einging. Einige unsere Erkenntnisse aus unserem Projekt “Wandern und Rückeren in der Uckermark” sind nämlich die Tatsachen, daß immernoch deutlich mehr Frauen als Männer ihre Heimat nach der Schule verlassen und das auch Rückkehrer vornehmlich männlich sind. Des weiteren legen Frauen einen höheren Wert auf qualitativ hochwertige Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Hier muss das Land Brandenburg in den meisten Regionen noch stark nachbessern. Ebenfalls fällt auf, daß Frauen leider in Entscheidungspositionen stark unterrepräsentiert sind. Der Anteil von Frauen in Entscheidungspositionen nimmt gerade in der Verwaltung von Bundes-, über Landesebene hin zur lokalen Ebene auf nahezu null ab. So sind z.B. auch im Havelland alle Dezernatsleiter der Kreisverwaltung Männer.
Doch es gibt auch durchaus Positives zu berichten. So ist in den neuen Bundesländern das Gehaltsgefälle zwischen Männern und Frauen (sog. “gender pay gap“) immer noch merklich niedriger als in den alten Bundesländern. Desweiteren lassen sich i.d.R. Beruf und Familie viel besser unter einen Hut bringen, da es viel mehr und viel sinnvollere Kinderbetreuungseinrichtungen gibt als in den alten Bundesländern.
Der dritte Impulsvortrag wurde von Herrn Hüttl, seines Zeichens Geschäftsführer der Havelländischen Zink-Druckguss GmbH & Co. KG in Premnitz und Mitglied des Vereins “Bildungsbrücke Jugend und Innovation – Havelland e.V.” gehalten. Er berichtete über die praktischen Erfolge die Heimatregion für junge Leute attraktiv zu halten und zu gestalten.
In der anschließenden Podiumsdiskussion erzählten Schüler des Vereins Bildungsbrücke und eine Studentin über ihre Motivation zum Bleiben in der Region oder eben zum Abwandern. Nach und nach kamen weitere Vertreter aus Wirtschaft und lokaler Politik aufs Podium um ihre jeweiligen Beiträge oder Positionen zum Thema darzulegen.
Nicht sonderlich überraschend herrschte Einigkeit darüber, dass mehr dafür getan werden muss um die jeweilige Heimatregion gerade für junge Frauen attraktiv zu gestalten. Sie sollten entweder in ihrer Heimatregion einen angemessenen Ausbildungs und Arbeitsplatz finden oder jedoch nach einer Ausbildung in anderen Ländern wieder in ihre Heimatregion zurückkehren um diese mit ihrer gesammelten Lebenserfahrung zu bereichern. Dies wurde auch sehr schön von Martin Gorholt, dem Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur, auf den Punkt gebracht. Er teil hier unsere Position das es nicht schlimm ist, wenn junge Leute ihre Heimatregion für eine Ausbildung oder Ähnliches verlassen. Dies erweitert ihren Horizont und schafft wichtige Lebenserfahrungen und neue Perspektiven. Wichtig ist jedoch, sie wieder zurück zu holen, wenn möglich.
Als besonderes Schmankerl hat auch Matthias Platzeck, Ministerpräsident von Brandenburg, in seiner Videobotschaft vom Wochenende anlässlich des internationalen Frauentages am 8. März betont, dass das Land Brandenburg aktiv an mehr Geschlechtergerechtigkeit arbeiten will.
Erste Pressemitteilungen zu der Veranstaltung finden sich z.B. hier: http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12287166/61759/Weiblicher-Nachwuchs-kehrt-dem-Kreis-oft-den-Ruecken.html



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