
Klemes Schmitz (parteilos) ist der amtierende Landrat der Uckermark und er stellt sich am 28. Februar der Wiederwahl. Schmitz ist bei seiner ersten Kandidatur für die SPD angetreten, ließ sich in seinem Amt aber nicht verbiegen und trat aus der Partei aus. Dieser konsequente Schritt machte ihm die Arbeit nicht leichter, im Gegenteil. Wahrscheinlich auch weil er sich treu geblieben ist, kann er sich bei der Wahl eines Beliebtheitsbonus unter den Uckermärkern sicher sein. Der Verein Zuhause in Brandenburg hat ihn zu seiner Kandidatur befragt.
Herr Schmitz, wenn sie auf ihre Zeit als Landrat zurückschauen, wo sehen sie ihre Erfolge und was würden sie zukünftig anders gestalten?
Zuerst möchte ich klarstellen, dass ich keine Einzelkämpfernatur bin. Erfolge aber auch Misserfolge sind das Ergebnis einer gesamten Führungsmannschaft, es gehört sich jedoch, dass der Chef für die Misserfolge geradesteht ( siehe Fall „ Jeniffer“ und die Erfolge teilt ( siehe Schulinvestitionen ).
Die acht Jahre meiner Amtszeit waren eine sehr intensive Zeit, die in hohem Maße von der Anpassung der Verwaltungsstrukturen an die zukünftigen Aufgaben geprägt waren. Dies bedeutet natürlich in erster Linie Reduzierung des Verwaltungsaufwandes aber auch Neuorientierung der Aufgabenerfüllung. Es wurde eine erhebliche Stellenreduzierung sozialverträglich gestaltet, die Zahl der Dezernate ging von 5 auf 3 und die Zahl der Ämter von 18 auf 11 zurück, eine erhebliche Zahl von Personalstellen wurde abgebaut. Es wurden auch neue Aufgaben übernommen wie die Grundsicherung im Alter und für erwerbslose Menschen. Die Aufgaben in der Abfallwirtschaft wurden in eine neu gestaltete eigene Kommunalgesellschaft, die privatrechtlich organisiert ist, überführt. Die Aufgabe der Pflege der ca. 400 km Kreisstraßen wurde ebenfalls in diese Gesellschaft ausgegliedert. Dies erfolgte sozialverträglich, also ohne Entlassungen. Unsere Busgesellschaften wurden fusioniert und haben so eine mittelfristig gesicherte Perspektive. Die Krankenhäuser in Prenzlau und Angermünde sind im Verbund der Gesellschaft für Leben und Gesundheit zukunftssicher verankert. Die Schulen in Trägerschaft des Landkreises ( also weiterführende Schulen, berufsbildende Schulen und die fördernden Schulen ) sind bis auf eine Schule in Schwedt grundhaft saniert und hier sind Förderungen bereits auf den Weg gebracht. Die Wirtschaftsförderung wurde komplett neu geordnet. Die Tourismusmarketing Uckermark GmbH wurde gegründet, die Investor Center Uckermark GmbH wurde ins Leben gerufen und eine Lokale Aktionsgruppe Uckermark hat sich für die ländliche Entwicklung der Uckermark gegründet. Der Landkreis ist überall dabei und unterstützt finanziell, die eigentliche Arbeit wird jedoch von Akteuren übernommen, die keine Verwalter sondern Gestalter sind. Daran möchte ich anknüpfen, die Verwaltung soll sich soweit wie möglich auf ihre Kernkompetenz zurückziehen und alles andere jungen und kreativen Menschen übertragen ( siehe Regionalmarke ).
Worin sehen sie die Stärken unseres Landkreises?
Die naturnahe Tourismus aufgrund unserer natürlichen Ressourcen, eine stabile Landwirtschaft und unsere Lage zwischen den Ballungsräumen Berlin und Stettin, verbunden mit den industriellen Wirtschaftszweigen in Schwedt, Prenzlau aber auch Templin sind eine gesunde Mischung die es weiterzuentwickeln gilt.
Worin sehen die Schwächen bzw. größten Probleme des Landkreises und wie können diese bewältigt werden.
Der permanente Einwohnerschwund führt zu einem Fachkräftebedarf der nur schwer aus der eigenen Region abgedeckt werden kann. Hier ist es Aufgabe der Wirtschaftsverbände gemeinsam mit der Öffentlichkeit Werbung für unsere Region zu organisieren. Die Plattform ist vom Landkreis bereits durch unsere Regionalmarke gelegt.
Was sind ihre Ziele als Landrat? Wie wollen sie diese Ziele umsetzen?
Wie bereits beschrieben möchte ich noch mehr Konzentration des Landkreises auf seine Kernkompetenz, die Sicherung des sozialen Friedens in der Uckermark. Alle anderen Aufgaben gehören auf den Prüfstand um zu verhindern, dass die Region Uckermark bald in einem Großkreis Barnim – Uckermark verschwindet.
Wie gehen sie als Landrat mit der demografischen Entwicklung in unserer Region um, insbesondere mit der anhaltend starken Abwanderung?
Ein Landrat alleine ist mit so einer Aufgabe überfordert, hier sind aus meiner Sicht alle Gemeinden und Städte gefordert gemeinsam mit dem Landkreis die Ansiedlungsoffensive der Investor Center Uckermark GmbH zu unterstützen, um über Neuansiedlung Arbeit in die Uckermark zu holen.
Wie sehen ihre Visionen für die Uckermark aus? Wie bzw. wo sehen sie den Landkreis in 20 Jahren?
Ich bin mehr Realist als Visionär, da Visionen und Traumtänzereien aus meiner Sicht sehr dicht beieinander liegen und schnell vermischen können , wie wir es ja leider in der Stadt Prenzlau erlebt haben. Wenn es gelingt einen knallharten Sparkurs im Landkreis zu fahren könnten wir die Selbstständigkeit auf Dauer erhalten und als ein Landkreis bei dem die Mischung aus Natur , Industrie und gesunder Lebensumwelt stimmt, attraktiv für Menschen aus aller Welt werden.
Wir danken Herrn Schmitz für das Interview und wünschen eine erfolgreiche Wahl
Hier gibt es mehr Informationen zur Landratswahl:
Wir brauchen die Modellregion Uckermark – Roland Resch im Interview
Landratswahl in der Uckermark – Frank Bretsch im Interview
Bürgerbegehren zur Direktwahl des Landrats
Sieg des Bürgerbegehrens in der Uckermark
