Roland Resch (parteilos) stellt sich neben Frank Bretsch (SPD), Klemens Schmitz (parteilos) und Karina Doerk (CDU) der Landratswahl am 28.02.2010 in der Uckermark. Resch wurde bereits 1991 zum Landrat des Kreises Templin gewählt. Er folgte dann 1992 dem Ruf Matthias Platzecks nach Potsdam, wo er bis 1994 das Amt des brandenburgischen Bildungsministers inne hatte. Seit 1995 war er Aufbauleiter und ab 1997 Leiter des Naturparks Uckermärkische Seen.
Trotzdem er der Erfahrenste unter den Landratskandidaten ist, hat Roland Resch wie kein anderer eigene Vorstellungen von der Zukunft unserer Region. Der Verein Zuhause in Brandenburg e.V. hat ihn zu seiner Kandidatur befragt.

Herr Resch, was sind ihre persönlichen Motive für das Landratsamt zu kandidieren?
Die Funktion als Landrat der Bürgerinnen und Bürger ist eine Herausforderung, kein Sprungbrett für irgendwelche Karrieren. Ich möchte mich dieser Aufgabe stellen, die, wenn sie so wollen, gesellschaftliche Herausforderung annehmen, weil ich ganz sicher bin, dass in den Uckermärkern viele Potenziale schlummern, die so wichtig für eine gedeihliche Entwicklung der Region sind. Hier leben kluge, tatkräftige Menschen, die auch gern hier bleiben möchten. Ich habe viele von ihnen in den Jahren kennen gelernt. Und es ärgert mich schon, dass die Uckermark sehr einseitig wahr genommen wird: Sehr schön, sehr groß, sehr dünn besiedelt, sehr arm – die Menschen hier fühlen sich dann schnell abgehängt. Und das darf nicht sein. Ich möchte gern ermutigen, neue Wege zu suchen, Ideen zu entwickeln.
Was bringen sie in das Amt ein? Was wäre ihre persönliche Note?
Viel Lebenserfahrung, was vor allem bedeutet: zuhören, immer wieder Menschen zusammen bringen, nicht so schnell aufgeben und vor allem: Geduld haben und Rückschläge aushalten. Zudem Kenntnis der Strukturen und der handelnden Personen und damit der manchmal durchaus unterschiedlichen Vorstellungen davon, was wie sein sollte. Ich habe beide Seiten erlebt – die des Abgeordneten des Kreistages und die Verwaltung, als Landrat und ehemaliger Minister. Ich bin ziemlich sicher, dass das eine wichtige Voraussetzung für pragmatisches Arbeiten sein kann.
Neben den Verwaltungsaufgaben die als Landrat auf sie zukommen, worin sehen sie den Gestaltungsspielraum in diesem Amt und wie wollen sie ihn nutzen?
Zunächst mal muß man schauen, wie man den vorhandenen Gestaltungsspielraum voll ausnutzt. Um das gedeihlich und vor allem unideologisch tun zu können, müssen wir einander besser informieren, zuhören, diskutieren und dann nachvollziehbar entscheiden. Das Gegeneinander macht keinen Sinn, nur miteinander kommen wir voran.
Wichtig zu betonen ist mir, dass wir alle ohne die Wirtschaft, die Dienstleister, die Landwirte nicht voran kommen – und die brauchen eine effektive, zukunftsfähige, nachhaltige Wirtschaftsförderung. Hinzu kommen die großen Aufgaben, wohnortnahe Strukturen zu erhalten bzw. zu schaffen, insbesondere im öffentlichen Nahverkehr, bei der ärztlichen Versorgung, bei der Kinderbetreuung und für die Senioren. Im Prinzip wollen wir das ja alle – doch wie ist das in Zeiten klammer Kassen zu organisieren? Darauf müssen wir Antworten geben. Dazu muss als zweiter Schritt der Gestaltungsspielraum des Kreises erweitert werden. Wir brauchen die Modellregion Uckermark.
Wie gehen sie als Landrat mit der demografischen Entwicklung in unserer Region um, insbesondere mit der anhaltend starken Abwanderung?
Vor allem müssen wir aufhören, die demografische Entwicklung beinahe ausschließlich als negatives Problem zu sehen. Wir müssen natürlich Wege suchen, den älter werdenden Menschen Geborgenheit zu geben und Versorgung zu garantieren. Aber wir sollten uns auch auf neue Wege begeben und uns fragen: Worin liegen die Chanchen für uns alle, dass wir es in unserer Umgebung mit erfahrenen, lebensklugen Menschen zu tun haben, die ja nicht zum alten Eisen gehören, nur weil sie oberhalb der 60 oder 70 sind. Und was die Jüngeren betrifft: Ich sehe die Aufgabe des Kreises vor allem darin, für ausgesprochen gute Bildungschancen zu sorgen, für alle Kinder überall im Kreis, damit sie gut gerüstet in ihr Leben starten können. Dass junge Leute nach der Schule ihre Chance nutzen, sich auch anderswo in Deutschland oder auch der Welt umzuschauen ist ein großer Gewinn für uns alle. Und wenn wir es schaffen, unseren Kreis zu entwickeln, also Lebenspeerspektiven für junge, gut ausgebildete Leute zu schaffen, werden sich junge Uckermärker wieder hier ihr zu Hause schaffen – und andere mitbringen.
Was sind ihre Ziele als Landrat?
Ganz entscheidend ist, dass wir Uckermärker, Frauen, Männer, Junge, Alte, zu Hause in Städten oder kleinen Dörfern so etwas wie ein gemeinsames Gefühl für den ganzen Landkreis entwickeln. Dass jeder auf die Frage wo er denn wohne stolz sagt: in der Uckermark. Das wäre wunderbar.
Wie sehen ihre Visionen für die Uckermark aus? Wie bzw. wo sehen sie den Landkreis in 20 Jahren?
Visionen sind so eine Sache. Aber gut, in 20 Jahren sind wir längst Modellregion, nicht mehr Berlin oder Potsdam entscheiden, welche Projekte gefördert werden. Das tun wir schon seit Jahren selbst und der Zukunftsrat, bestehend aus Bürgerinnen und Bürgern, die gern an der Lösung von Problemen mitarbeiten, hat sich längst etabliert und ist inzwischen ein sehr hilfreiches Instrument geworden. Er hat zum Beispiel Ideen von Ärzten und Schwestern gesammelt und aus all den Anregungen Modelle entwickelt, mit deren Hilfe die medizinische Versorgung auch in den kleinsten Dörfern gesichert ist. Wir haben es geschafft, Geld selbst verantwortungsbewußt und nachhaltig einzusetzen. Die “große” Politik hat durch unsere erfolgreiche Modellregion erkannt, dass die Menschen vor Ort am besten wissen, was geschehen muß.
Wir danken Roland Resch für das Interview und wünschen ihm viel Erfolg bei der Wahl.
Mehr zu Roland Resch erfahren sie hier
Weitere Informationen zur Landratswahl in der Uckermark:
Die Selbstständigkeit der Uckermark erhalten – Klemens Schmitz im Interview
Landratswahl in der Uckermark – Frank Bretsch im Interview
Bürgerbegehren zur Direktwahl des Landrats
Sieg des Bürgerbegehrens in der Uckermark
Bildquelle: http://www.mugv.brandenburg.de/cms/detail.php/lbm1.c.332144.de
